Bepflanzung

Autor: Pawel Wojcikowski

Oft wird über den Einsatz von Pflanzen in Vogelspinnenterrarien diskutiert. Oft wird angeführt, dass es ein unverhältnismäßig hoher Pflegeaufwand ist dies zu realisieren und die zusätzlichen Störungen der Tiere strikt abzulehnen sind.


Jedoch ist zu bedenken, dass Pflanzen das Terrarienklima regulieren und vor allem in der freien Wildbahn Spinnen oft lebende Pflanzen als Behausung nutzen, sei es eine Höhle entlang des Wurzelgeflechts von Bäumen und Sträuchern, ein Wohngespinnst zwischen Blättern oder in Höhlen und Astlöchern lebender Bäume oder gar ein Bromelientrichter den manche Spinnen über Jahrzehnte hinweg bewohnen. Nur selten wird Totholz genutzt, wie es den Tieren im Terrarium in Form von Korkplatten und -röhren geboten wird. Zwar muss eingeräumt werden, dass die in den Höhlen und Wohngespinnsten herrschenden Bedingungen den Tieren über Gießen, Sprühen und Beheizung geboten werden, sodass sich die Klimaregulierung durch eine Bepflanzung wieder relativiert, jedoch zeigt die Erfahrung, dass die Tiere instinktiv ihre Verstecke in Pflanzennähe anlegen, sofern sie die Wahl haben.

Der Pflegeaufwand für die Pflanzen gleicht sich aber in jedem Fall mit dem dadurch gesenkten Gießaufwand aus und wird sicher auch das Wohlbefinden der Tiere steigern, auch wenn eine Haltung ohne Bepflanzung möglich ist.

Stellt sich nun die Frage, wie eine pflegeleichte Bepflanzung realisiert werden kann.

Als Erstes stellt sich die Frage nach der Beleuchtung. Bei den gewöhnlichen Terrarienheizlampen, den sogenannten "Backofenbirnchen" in 15 und 25 Watt Stärke braucht man sich mit Pflanzen garnicht weiter zu beschäftigen. Die Pflanzen vergeilen und verhungern über kurz oder lang und geben bestenfalls einen guten Kompost ab. Pflanzenleuchten oder sonstige Leuchtmittel sind meist maßlos überteuert und auch nicht im Geringsten brauchbarer. Aufgrund der Absorptionsspektren des Chlorophylls ergeben sich 2 Bereiche im sichtbaren Lichtspektrum, die eine Pflanze benötigt: blaues und rotes Licht. So etwas gibt es für kleines Geld in der richtigen Menge der Anteile zu kaufen. Dabei handelt es sich um ganz gewöhnliche Leuchtstoffröhren oder Energiesparlampen mit einer Farbtemperatur von 6.500K (Kelvin), also die sogenannten Tageslicht bzw. Daylight Lampen. Die Beleuchtungsstärke stellt den 2. zentralen Punkt dar. Sie berechnet sich aus dem Leuchtstrom, der in Lumen (lm) angegeben wird und der Grundfläche des Terrariums und wird angegeben in Lux (lx): 1lx = 1lm pro m². Die meisten Pflanzen sind bei etwa 5000lx gut zu pflegen. Somit ergeben sich ca. 800lm für ein 40x40cm großes Terrarium. Dies gleicht einer Energiesparlampe von 15W. Dies kann sicherlich als Richtwert angenommen werden und macht eine Beleuchtung von 27W oder 33W bei "Großterrarien" von 60-80cm Länge sinnvoll.

Der andere zentrale Punkt der Pflanzenpflege ist ein guter Bodengrund. Kokoshumus ist vorneweg genommen völlig ungeeignet und dies nicht nur für Pflanzen, sondern auch für die Tiere selbst. Blumenerde ist zumindest mit Vorsicht zu genießen. Oft verdichtet sie sich sehr stark mit der Zeit und es besteht die Gefahr des Versumpfens, also von nassem, faulenden und stinkenden Schlamm. Es ist zumindest sinnvoll eine gute Portion Sand unterzumischen, zumindest zu einem Drittel. Ideal ist jedoch Walderde oder Gartenerde, wie sie überall draußen selber zu beschaffen ist. Dabei handelt es sich um festes, jedoch strukturstabiles Substrat, welches viele Nährstoffe und dabei wenig organisches Material enthält. Dies stellt den natürlichsten Bodengrund dar, sowohl für Spinnen als auch für die meisten Pflanzen. Dabei muss jedoch beachtet werden, dass dieser schnell auslaugt und eine gelegentliche Düngung nicht schadet oder man eventuell als unterste Bodenschicht 1-2cm Blumenerde ausbreitet, die auch noch ein Zerkratzen der Bodenscheibe durch Sand verhindert. Dünger wurde zwar Gerüchteweise als schädlich bezeichnet, nämlich im Vogelspinnenbuch von Volker von Wirth vom Gräfe und Unzer Verlag, jedoch räumte von Wirth zwischenzeitlich diese Behauptung in einem großen deutschsprachigen Vogelspinnenforum als Fehler ein.

Zum Schluss empfiehlt sich die Benutzung von Regen- oder sonstigem kalkarmen Wasser zum gießen.

Jedoch bringen die besten Rahmenbedingungen nichts, wenn die Bepflanzung selbst nicht geeignet ist.

Genauso wie die Tiere haben auch die Pflanzen bestimmte Ansprüche und es dürfte klar sein, dass die schönste Tropenpflanze in einem Terrarium für Wüstenbewohner keine Überlebenschancen hat und umgekehrt.

Stellt sich nun die Frage, welche Pflanzen brauchbar sind!?

Es sollten auf jeden Fall Arten sein, deren Wuchs der Terrariengröße entspricht.

So sollten die Pflanzen für kleine Würfelterrarien keine großen Blätter oder große Abstände zwischen den einzelnen Blättern haben. Außerdem sollten es nicht zu anspruchslose Arten sein, da diese in den feuchtwarmen Bedingungen eines Regenwaldterrariums förmlich explodieren und dann natürlich viel Arbeit machen.

Oft wird man um einen eigenständigen Versuch nicht herum kommen, jedoch gibt es eine Reihe von Pflanzen, mit denen gute Ergebnisse zu erzielen sind.

Für Wüstenterrarien:

Aloe spec.

Echeveria spec.

Haworthia spec.

(bei allen 3 Gattungen muss auf weiche Stacheln geachtet werden!!!)

Crassula spec. (bevorzugt bei Spinnen die kühle Wintertemperaturen benötigen)

kleinwüchsige Sansevieria Arten und Sorten

bei tiefem Bodengrund oder der Möglichkeit einen Abschnitt großteils wasserdicht abzugrenzen sind Epiphyllum, Rhipsalis und die Hatoria, Rhipsalidopdis Schlumbergera Artengruppe eine Überlegung wert.

Für erfahrene Pflanzenhalter sind Stapelia spec. empfehlenswert. Sie haben den Vorteil, dass sie gegen mechanische Belastung sehr wiederstandsfähig sind und ihnen die dichten Gespinste von Chromatopelma, Pterinochilus und anderen Arten wenig ausmachen. Der Nachteil ist jedoch, dass die Pflanzen bei nur minimal zu feuchtem Bodengrund innerhalb von wenigen Tagen verfaulen und völlig in sich zusammenfallen, dass kaum etwas von ihnen übrig bleibt.
 

Für Regenwaldterrarien:

kleinblättrige (kletternde) Ficus spec.

kleine Bromelien

manche Farne

manche kleine Orchideen sind zumindest einen Versuch wert

Peperomia spec.

Fittonia verschaffeltii

kleine Calathea und Maranta spec.

junge Syngonium spec. (alte Pflanzen klettern und sind zum begrünen von Kokosmatten an der Rückwand von großen Baumbewohnerterrarien geeignet)

Chlorophytum (bevorzugt für größere Terrarien ab 40x40x40cm)

für große Terrarien:

Scindapsus spec.

Epipremnum spec.

Philodendron spec.

Monstera adansonii (M. pertusa)

Stephanotis floribunda

Dieffenbachia spec.

manche Farne

an trockeneren Stellen auch Rhipsalis (z.B. in einer mit Erde gefüllten aufgestellten Korkröhre)

www.vogelspinnen-hameln.de Maculata.de