Hysterocrates SIMON, 1892

Herkunft : Benin, Kamerun, Ghana, Nigeria
Lebensweise : Röhrenbewohner
Körperlänge : etwa 8 cm (selten bis zu 9 cm)
Temperatur Tags : 22-24 "C
Temperatur Nachts : ca. 18 "C
Luftfeuchtigkeit : 80-90 %
Fressverhalten : nimmt Futter sehr gut an.
Nahrung : Heimchen, Grillen, Heuschrecken, Mäuse
Haltung : 20x20x30 cm, 30x20x40 LxBxH (Haplotank)
Verhalten : aggressiv, nervös
Verteidigung : Flucht, Beinschlagen, Abwehrbiss
Deutscher Name : "Afrikanische Riesenvogelspinne"
Erstbeschreibung
H.gigas
 


 

: Pocock, R.I. 1897.
  On the spiders of the suborder Mygalomorphae
  from the Ethiopian Region, contained in the
  collection of the British Museum.
  Proceedings of the Zoological Society of London
  1897: 724-774 [p. 762].
Erstbeschreibung
H.hercules
 


 

: Pocock, R.I. 1899.
  On the scorpions, pedipalps and spiders from
  tropical West- Africa, represented in the
  collection of the British Museum.
  Proceedings of the Zoological Society of London
  1899: 833-885 [p. 844].
Wachstum : relativ schnell
Lebenserwartung : vermutlich bis zu 20 Jahre

Nicht für Anfänger geeignet!


Hysterocrates sp. "Kamerun 1", Weibchen


Anmerkung:
Im Terrarium eingelebt zeigen sich die Tiere oft sehr scheu.
Hysterocrates spec. sind sehr defensiv und nur mäßig aggressiv.

Meine bisherigen Erfahrungen:

Ich bezeichne diese Vogelspinne hier nur als Hysterocrates spec. (Species) da es nicht möglich ist die Arten innerhalb der Gattung zu unterscheiden. Da alle Arten Röhrenbewohner sind und ein sehr ähnliches Habitat bewohnen und auch die Haltungsparameter nahezu identisch sind, macht es keinen Unterschied, welche der Arten man hält. Die Haltung ist die gleiche.

Von Hysterocrates sind 20 Arten beschrieben wurden lt. dem World-Spider-Catalog (Stand: 06/2010). Die bekanntesten von ihnen sind Hysterocrates hercules und Hysterocrates gigas. Die beide auch sehr häufig im Hobby unter diesen Namen vertreten sind (auch wenn es sich bei den im Hobby befindlichen Exemplaren, nicht um die zwei handelt). Um die Unterscheidung der beiden Arten kursieren viele Annahmen - eine Annahme besagt, dass die Hysterocrates gigas mehr ins bräunliche gefärbt ist, während die Hysterocrates hercules mehr ins schwarz ginge. Dieses ist und bleibt jedoch nur ein Gerücht, welchem man keine Beachtung schenken sollte. Ich konnte bei meinen Hysterocrates spec. beobachten das die Färbung nach der Häutung bei einigen Exemplaren sehr dunkelbraun, fast schon schwarz bleibt, bei anderen aus dem selben Kokon blieb sie hellbraun. Nach der nächsten Häutung erscheint die Färbung dann wieder anders.


Hysterocrates sp. "gigas", Exuvie eines 7 cm kl Exemplares

Problematik der Arten:
Nach GALLON könnte es sich um folgende Hysterocrates sp.
im Hobby handeln: Hysterocrates ederi wurde als erstes Importiert und oft nachgezüchtet. Als "ederi" werden aber 2 Arten derzeit verkauft (der echte Charpentier von der Bioko Insel und die neuimportierten Exemplare aus dem Festland. Hysterocrates gigas wurde ebenfalls vom Festland Afrika, Kamerun importiert. Männchen und junge Weibchen haben ein verdicktes IV.Beinpaar. Die großen Weibchen verlieren jedoch mit der Zeit die dicken Hinterbeine (Tibia IV) und wurden dadurch oft als Hysterocrates hercules verkauft. Ironischerweise, so GALLON, handelt es sich bei dieser als Hysterocrates gigas im Umlauf gebrachten Exemplare nicht um die echte "gigas". Auch aus Kamerun / Nigeria importiert wurde Hysterocrates crassipes. Diese scheint ein ganz dickes IV.Beinpaar zu besitzen. Allerdings hatte GALLON hier noch nicht die Möglichkeit, ein Exemplar in Alkohol zu untersuchen. Deshalb gilt aktuell für alle im Hobby (Zoohandel) existierenden Exemplare von Hysterocrates ssp. "Die in Gefangenschaft lebenden Hysterocrates ssp. sind so häufig falsch gekennzeichnet, das es fast unmöglich ist, von unterschied- lichen Quellen, Brautpaare der gleichen Art zu bekommen.


Chelicere eines 7 cm kl Exemplares

Zu Hysterocrates hercules führt GALLON fort, dass diese erst kürzlich aus Nigeria importiert wurden sind. Männchen wie Weibchen haben ein wirklich dünnes IV.Beinpaar, auch bei Jungtieren war dieses niemals verdickt, hinzu kommt das sie einen dunklen Oberschenkel besitzen. Aber auch diese Exem- plare sollen nicht wirklich die der Echten "hercules" entsprechen. Zwar behaupten im Hobby (Zoohandel) einige sie hätten eine Echte, jedoch kann dieses niemand sagen. Keine der in Gefangenschaft lebenden Exemplare von Hysterocrates ssp. wurden bislang identifiziert. Daher schlägt GALLON folgenden provisorischen Namen für alle künftigen Einfuhren und im Hobby gehaltenen Exemplare vor: "Hysterocrates sp. "Kamerun 1"


Hysterocrates sp. "Kamerun 1", Weibchen mit 6 cm kl

Das Verhalten dieser Vogelspinne würde ich als sehr defensiv beschreiben, zwar verteidigen sie sich durch einen Abwehrbiss, jedoch ziehen sie sich bei einer Störung grundsätzlich sehr schnell zurück, wenn man ihnen die Möglichkeit dazu gibt. Keines meiner großen Exemplare hat jemals eine offensive Verteidigung gezeigt. Auch begeben sie sich kaum in Drohstellung, wenn man die Tiere nicht unnötig reizt.

An die Haltung stellt Hysterocrates spec. spezielle Anforderungen, denn diese Vogelspinne ist ein Röhrenbewohner und gräbt tiefe Röhren in den Boden. Daher sollte der Bodengrund mindestens 20 cm hoch im Terrarium eingefüllt werden. Bei mir besteht der Bodengrund aus einen Mix von handelsüblicher Blumenerde und Lehmpulver im Verhältnis von 70/30. Dieser ist fest angedrückt und ständig feucht zu halten.

Um der Vogelspinne das graben zu erleichtern sollte man ihr einen Röhreneingang vor stechen, den sie mit der Zeit dann von alleine weiter ausgräbt. Einige Wildfänge brauchen dazu eine Eingewöhnungszeit, die mit unter sogar einige Wochen andauern kann, bis sie mal anfangen zu graben.


Hysterocrates sp. "Kamerun 1", Paarung

Die Nachzucht von Hysterocrates spec. ist sehr einfach, da beide Geschlechter meistens friedlich aufeinander reagieren. Viel größer ist das Problem, die richtigen Arten zu bekommen. Hier empfiehlt es sich Tiere aus dem gleichen Kokon zu nehmen. nur so kann man sicher stellen das es wirklich die gleiche Art ist.

Das Männchen kann man einige Tage beim Weibchen im Terrarium drin lassen. I.d.R. überlebt das Männchen den Aufenthalt und kann einige Tage später für ein weiteres Weibchen eingesetzt werden. Bis zum Kokonbau kann es einige Monate dauern (3-6 Monate), dieser wird stationär in der Röhre bzw. im Terrarium angebracht und nicht von dem Muttertier bei sich getragen.

Die Aufzucht der Nachzuchten bereitet keine Probleme. Die kleinen Slings fressen ab der 1.FH (Fresshaut) bereits kleine Heimchen und sind sehr defensiv. Einige Halter berichten davon das bereits die kleinen Slings relativ beißfreudig seien, ich konnte dieses bisher nicht beobachten, da meine bei einer Störung grundsätzlich flüchten.


Hysterocrates sp. "Kamerun 1", Männchen, adult


Anmerkung zu den Spermatheken:
Nach einigen Exuvie Untersuchungen unter dem Mikroskop, stellte ich fest, dass ein paar Hysterocrates sp. eine andere Spermathek aufweisen. Auch fiel mir an meinem Hysterocrates sp. "gigas" Exemplar auf, dass diese bei einer Körperlänge von etwa 7 cm, ihren dicken Hinterbeine verlor nach der Häutung. Was die Wahrscheinlichkeit der Artzugehörigkeit, zumindest etwas einschränkt. Siehe hierzu die Spermathekenfoto:


Receptaculum seminis von Hysterocrates sp. Kamerun 1


Receptaculum seminis von Hysterocrates sp. "gigas"

Literaturverweise:

Hysterocrates gigas Pocock, 1897
– Cameroon

Pocock, R.I. 1897.
On the spiders of the suborder Mygalomorphae from the Ethiopian Region, contained in the collection of the British Museum.
Proceedings of the Zoological Society of London 1897: 724-774 [p. 762].

Newcomb, R. et al. 1998.
Selective peptide antagonist of the class E calcium channel from the venom of the tarantula Hysterocrates gigas.
Biochemistry. 37(44): 15353-15362.
View Abstract

Varrecchia M.M., V.A. Gorley & S.D. Marshall. 2004.
Group size does not influence growth in the theraphosid spider Hysterocrates gigas (Araneae, Theraphosidae, Eumenophoriinae).
Journal of Arachnology 32(2): 324-331.

Vol, F. 1996.
Fiche d'élevage MYG33: HYSTEROCRATES gigas (Pocock, 1897).
Arachnides 30.

Hysterocrates hercules Pocock, 1899
– Niger, Nigeria

Pocock, R.I. 1899.
On the scorpions, pedipalps and spiders from tropical West- Africa, represented in the collection of the British Museum.
Proceedings of the Zoological Society of London 1899: 833-885 [p. 844].

Oplustil, I. 2005.
Mating of bird spiders Hysterocrates hercules.
Sklípkan 6(4): 92-93.

Overdijk, S. Van. 2003.
Kweekverslag Hysterocrates hercules.
Tijdschrift van Vogelspinnen Vereniging Nederland 11(37).

www.vogelspinnen-hameln.de Maculata.de