Toxikologie

Vogelspinnen allgemein

Erstellt Tox-Mü Wagner Ph / Kleber J.J. 1998

Sichere Identifizierung nur mit lateinischem Namen möglich.

Originalauzug aus:
www.toxinfo.org

 

TOXIKOLOGIE
-- echte Vogelspinnen = Fam. Theraphosidae
   TARANTEL ist keine Vogelspinnenart, es werden aber auch
   Vogelspinnen fälschlich Tarantel genannt (engl.Tarantula)
-- NUR WENIGE VOGELSPINNEN-Arten können außer Lokalreaktio-
   nen systemische neurologische Wirkungen hervorrufen
   (Poecilotheria sp., Selenocosmia sp., Pterinochilus sp.,
   Stromatopelma sp.)
  -ist der (lateinische!) Gattungsname nicht bekannt ist
   die Vogelspinne vorsichtshalber hier einzuordnen
-- gewöhnlich sind Vogelspinnenbisse ungefährlich außer der
   BRENNHAAR-Kontakt: stark reizende Haare werden vom Hin-
   terleib abgestreift u. unterschiedlich weit geschleudert
   siehe:
VOGELSPINNEN LOKAL GIFTIGE
-- EUROPÄISCHE Vogelspinnen = Ischnocolus sp.: Bißunfälle
   bisher nicht beschrieben, deshalb Verlauf unbekannt
   (Vorkommen: Süditalien, Spanien, Portugal)

SYMPTOME
-- LOKAL: Schmerzen, meist wie Bienen/Wespenstich, evtl.
   schmerzlos bis extrem stark (z. B. Selenocosmia sp.);
   länger dauernd ( meist bis 30 min; Poecilotheria sp. bis
   8 Tage!); Schwellung bis massives Ödem und Lymphknoten-
   schwellung möglich! (2)
   lokale Symptome werden z.T. auch rein mechanisch durch
   Giftklauen der Spinne verursacht!
-- COR: Hypotonie bei empfindlichen Patienten möglich
-- NEURO: Pat. meist sehr aufgeregt, daher oft psychisch
   bedingte zusätzliche Symptome
  -POECILOTHERIA sp. verursacht Muskel-Krämpfe am ganzen
   Körper mit Atemnot für 1d (7), Schwellungen in Umgebung
   der Bißstelle bis zu 8 d; Schmerzaustrahlung in lokale
   Lymphknoten möglich (2)
   Symptomatik tritt evtl. zum Biß verzögert auf (2).
  -STROMATOPELMA sp.: Muskelfaszikulieren (eigener Fall).
  -PTERINOCHILUS sp. verursacht starkes Brennen über 1 h
   (2), Schmerzausbreitung bei Biß in Hand aufsteigend bis
   zu axillären Lymphknoten berichtet; darauffolgend Taub-
   heitsgefühl (5)
  -SELENOCOSMIA sp.: Muskelkrämpfe mit folgendem Kollaps (2)
   und Übelkeit (6)
-- TIERVERSUCH: auf Mäuse wirkt das Gift der Vogelspinnen
   hypnotisch bis sedativ (2), beim Menschen wurde solch
   eine Wirkung nie beobachtet.
-- BRENNHAARKONTAKT:
  -HAUT: Urtikaria, papuläre Dermatitis, Juckreiz kann meh-
   rere Monate anhalten! (1)
  -AUGE: Keratitis, Konjunktivitis, Iritis, chorioretinale
   Narbenbildung (1)
  -PULMO: nach Aspiration Atembeschwerden (3); Fremdkörper-
   reaktion und Pneumonien.

THERAPIE
Patient beruhigen! TETANUSPROPHYLAXE;
1 Tag in Klinik beobachten, nicht nötig bei VOGEL-SPINNEN LOKAL GIFTIGE
-- LOKAL: Wunde säubern, auf Superinfektion achten
-- MUSKELKRÄMPFE: in einem Fall war Ca + Mg iv + Baclofen
   wirksam und verbesserte auch die Atemsituation (7)
-- AUGE-LOKAL:
-BRENNHAAR-Kontakt: Auge-Spaltlampenuntersuchung; topische   
Kortikosteroide empfohlen bei Augenkontakt mit langsamer
   Dosisreduktion über Monate; Besserung der Entzündung in
   48 h; Resorption über 10 Mon. (1)

TOXIN
Glutaminsäure, Gamma-Amino-Buttersäure, stark basische Verbindungen (Spermin, Trimethyldiamin + p-Hydroxyphenylbrenztraubensäure), Putreszin, Kadaverin.(4)
Pterinochilus sp.-Gift enthält Neurotoxin (2)

VORKOMMEN
weltweit im tropischen und subtropischen Bereich

BESCHREIBUNG
Spinnen von 1 bis 11 cm Körperlänge und Beinspannweiten bis ca. 25 cm. Da Jungtiere oft klein sind und es auch andere z. T. gefährliche sehr große Spinnen gibt (z.B. Atrax sp., Phoneutria sp.), sollte im Falle eines Bisses mit Symptomen immer das Tier von einem Fachmann identifiziert werden und der Patient in ein Hospital zur Überwachung.
Achtung!!! Manchmal gelangen auch mit den Theraphosiden verwandte Arten in die Hände von Liebhabern. Daher der Bezeichnung "Vogelspinne" immer skeptisch gegenüberstehen. Wird die Spinne als nackt oder kurz behaart und/oder ihr Chitinpanzer als glänzend beschrieben, so kann es sich leicht um eine andere Familie handeln (Falltürspinnen, Kammspinnen etc.). Außerdem haben Vogelspinnen meist relativ dicke Beine (Ausnahmen: Jungtiere, Crypsidromus sp., Cyriocosmus sp. (Zwergvogelspinne)).

NAMENSVERWECHSLUNG MIT TARANTEL
Hier werden nur "echte" Vogelspinnen (Fam. Theraphosidae) behandelt. Der Begriff "Taranteln" stammt vom englischen "Tarantula". Das deutsche Wort "Tarantel" und das italienische "Tarantella" beziehen sich allerdings auf eine Gruppe von Wolfsspinnen (Lycosidae), die extra abgehandelt werden! Deshalb bei "Tarantel" immer nachfragen, ob das Tier im Zoogeschäft gekauft wurde (dann meist Vogelspinne) oder ob der Biß in Südeuropa passiert ist ( praktisch nie Vogelspinnen-, aber häufig Tarantelbisse!)


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Hinweis: Es wird keine Gewähr auf die Richtigkeit übernommen.

www.vogelspinnen-hameln.de Maculata.de