Brachypelma vagans 
Ausserer, 1875

Herkunft
 
: Kolumbien, Belize, Guatemala,
  Costa Rica, Honduras und Mexiko
Lebensweise : Bodenbewohnend
Körperlänge : bis etwa  8 cm
Temperatur Tags : 24-28 "C
Temperatur Nachts : 18-20 "C
Luftfeuchtigkeit : 60-80 %
Fressverhalten : Nimmt Futter sehr gut an.
Nahrung : Heimchen, Grillen, Heuschrecken, Mäuse
Haltung : 30x30x20 cm, 40x40x30 cm (LxBxH)
Verhalten : Friedlich, aber hektisch
Verteidigung : Bombardieren, Flucht, Beinschlagen
Deutscher Name : "Schwarzrote Vogelspinne"
Erstbeschreibung


 

: Ausserer, A. 1875.
  Zweiter Beitrag zur Kenntniss der Arachniden
  Familie der Territelariae Thorell (Mygalidae Autor).
  Verh. zool.-bot. Ges. Wien 25: 125-206. [p. 197,
  pl. 7, f. 41].
Unterfamilie : Theraphosinae
Wachstum : relativ schnell wachsende Art.
Lebenserwartung : über 20 Jahre

Anfängertaugliche Vogelspinne.


Brachypelma vagans "Red Hair" Weibchen mit 5 cm kl

Anmerkung:
Brachypelma vagans gehört zu den größten Brachypelma-Arten überhaupt.
Es existieren zahlreiche Doppelgänger, die ihr sehr ähnlich sehen.

Meine bisherigen Erfahrungen:

Diese schöne, kräftige Brachypelma-Art gehörte von Beginn an zu meinen persönlichen Lieblingsvogelspinnen. Sie kann im weiblichen Geschlecht eine enorme Körperlänge erreichen, von bis zu 8 cm. Im Laufe der Jahre habe ich einige Brachypelma vagans Exemplare gesehen und vermessen, so dass ich die Größenangabe bestätigen kann.

Da Brachypelma vagans aus einem sehr großen Verbreitungsgebiet stammt, kann man diese Vogelspinne sowohl tropisch-feucht, als auch trocken im Terrarium unterbringen. Empfehlenswert ist aber wohl eine Mischung aus beidem. Dazu füllt man ein Terrarium, dass eine Grundfläche von mindestens 30x30 cm aufweisen sollte, (besser wäre es größer) mit handelsüblicher Blumenerde. Diese wird etwa 10-15 cm hoch eingefüllt und festgedrückt. Ich bringe die Blumenerde schichtweise ein, und besprühe jede Schicht Blumenerde kräftig mit frischen Wasser, dadurch lässt sich die Erde sehr gut festdrücken.

Als Versteck dient eine halbierte Korkröhre, die im Boden eingegraben wird. Der Höhleneingang wird dazu zuvor vorgestochen. Mit der Zeit beginnt Brachypelma vagans dann damit, die Höhle die man ihr angeboten hat, weiter auszugraben. Diesen Grabtrieb gehen vor allem die Jungtiere, die in der Jugendzeit fast ausschließlich unterirdisch leben, nach.

Damit Brachypelma vagans im Terrarium einen möglichst naturgetreuen Lebensraum bekommt, sollte man den Bodengrund ständig zur 1/2 feucht halten, um eine Luftfeuchtigkeit zwischen 60% und 80% zu gewährleisten. Im Sommer darf der Boden oberflächlich auch mal ein paar Wochen austrocknen, während in den Wintermonaten die Feuchtigkeit im Boden zunehmen sollte.

Als Bodenabdeckung kann man etwas Moos, aus dem heimischen Wald mit einbringen. Dieses bietet zudem den Vorteil, dass die Feuchtigkeit am Boden, länger gespeichert bleibt.

Im Zoofachhandel wird Brachypelma vagans immer mal wieder unter dem ehemaligen Namen Eurypelma vagans angeboten. Hierbei handelt es sich jedoch lediglich um ein Synonym, da der Name nicht mehr relevant ist. AUSSERER beschrieb Brachypelma vagans damals im Jahr 1875 als Eurypelma vagans anhand eines Männchens und eines Weibchens aus der mexikanischen Provinz Yukatan.

1996 entdeckte man in Florida eine kleine Kolonie von Brachypelma vagans. Allerdings rottete das Florida Department of Agriculture and Consumer Services (kurz FDACS) diese Kolonie aus, wahrscheinlich aus Angst vor einer Verfälschung der Fauna im Land. Wie die Kolonie dort hin gelangte, ist bislang unklar, man nimmt aber an, dass sie womöglich einem Hobbyarachnologen oder aus einer Tierhandlung entkommen sind. Möglich wäre aber auch ein Transport auf den Handelsweg z.B. per Schiffsladung. Fraglich ist heute, ob dieser Ausrottungsversuch wirklich gelang! Rick West zeigte in seinem Dokumentationsfilm, eine Brachypelma vagans aus Florida, die er an einem kleinen Fluss in einer Höhle im Boden fand.

Im Hobby muss man sich mit einem ganz anderen Problem befassen, nämlich ob man wirklich eine Brachypelma vagans besitzt oder doch nur einen der zahlreichen Doppelgänger? Hier kämen u. a. Brachypelma angustum, Brachypelma epicureanum oder auch Brachypelma sabulosum in Frage. Da man bereits viele Jahre Brachypelma vagans erfolgreich nachzieht, ist die Wahrscheinlichkeit einer Hybridisierung (Molekularbiologie) im laufe der Jahre durchaus in Betracht zu ziehen.

Optisch gibt es bereits seit Jahren Auffälligkeiten, wie z.B. den hellen Carapax einiger Brachypelma vagans Exemplare. Hierbei handelt es sich nicht selten sogar um einen weiteren Doppelgänger, der 2008 von RUDLOFF beschrieben wurde - Brachypelma kahlenbergi. Man kann sogar davon ausgehen, dass viele Halter im Hobby, ohne es zu wissen, einen dieser Doppelgänger in ihren Terrarien pflegen. Welchen genau können nur die wenigstens herausfinden, dazu ist der sogenannte "Vagans-Komplex" einfach zu kompliziert.

Eine weitere Auffälligkeit bei den Exemplaren von Brachypelma vagans, sind die am 4.Beinpaar befindlichen roten langen Haare. Hier gehen die meisten Halter im Hobby davon aus, dass es sich bei den Exemplaren, die man gerne mal als Brachypelma vagans "Red Hair" betitelt, um einen Hybriden handelt. Bewiesen wurde dieses bisher jedoch noch nicht! Auch lassen rein äußere Merkmale kaum einen wirklichen Rückschluss auf die Genetik zu.

Helfen kann einen aber folgende Beschreibung von RUDLOFF, 2008

Eine neue Brachypelma-Art aus Mexiko, Brachypelma schroederi
sp.n. (Araneae: Mygalmomorphae: Theraphosidae: Theraphosinae)
[Arthropoda]

Ein Vergleich der Spermatheken der Weibchen, sowie der Bulben der Männchen soll Klarheit bringen, ob man eine Brachypelma vagans bei sich sitzen hat, oder lediglich einen der zahlreichen Doppelgänger. Leider aber wird dieses den meisten Haltern im Hobby verwehrt bleiben, da ihnen die Mittel hierzu fehlen. Man kann als Halter also nur mutmaßen, was man letztlich wirklich bei sich sitzen hat im Terrarium.


Brachypelma vagans, Weibchen mit 6 cm kl

Weil bei den Brachypelma vagans "Red Hair" immer wieder gesagt wird, das es sich um einen Hybriden handeln soll, habe ich versucht, mein Exemplar, mit den länglich roten Haaren am 4.Beinpaar zu verpaaren. Männchen Nr.1 war ein typisches Brachypelma vagans Männchen und wurde mir von einem vertrauenswürdigen Züchter übergeben. Die Paarung lief friedlich und sehr schnell ab. Es folgre jedoch niemals ein Kokon aus dieser Paarung. Nach 11 Monaten häutete sich das Weibchen.

Einige Wochen nach der Häutung probierte ich es mit Männchen Nr.2, dieser war auf dem Carapax deutlich heller und trug leicht rötlich, lange Haare, am 4.Beinpaar. Hier lief die Paarung ebenso friedlich, wie bei der 1.Paarung ab. Allerdings erfolgte auch hier raus kein Kokon. Etwa 10 Monate später häutete sich das Weibchen erneut. Und auch danach unternahm ich einen 3.Versuch, mit einem neuen, frischen Männchen. Diesmal sah das Männchen aus wie auf dem Foto (unten) und wurde ebenso an mein Brachypelma vagans Weibchen ohne die roten Beinhaaren dran gelassen, zur Paarung. Auch in diesem 3.Versuch baute das Weibchen mit den roten Beinhaaren keinen Kokon, sondern häutete sich nach gut 11 Monaten erneut. Das andere Weibchen hingegen baute nach 3 1/2 Monaten erfolgreich einen Kokon.

Viele Hybride-Lebewesen sind nicht fortpflanzungsfähig, was zumindest im Ansatz einen Rückschluss darauf zulässt, dass mein Brachypelma vagans Weibchen ein Hybride sein könnte. Und die Wahrscheinlichkeit, dass die im Hobby im Umlauf befindlichen, ebenso Hybriden sein könnten.

Es wäre daher empfehlenswert nur Exemplare aus dem selben Kokon oder aber die mit den auffällig roten langen Haaren am 4.Beinpaar ausschließlich untereinander zu verpaaren.


Brachypelma vagans, Männchen (Geschlechtsreif)

Zucht:

Die Zucht von Brachypelma vagans stellt sich als etwas schwierig da, in Anbetracht der im Vorfeld aufgeführten Doppelgängerproblematik. Hat man jedoch ein Paar gefunden, dass zusammen gehört und sind beide geschlechtsreif kann man eigentlich auch schon loslegen. Das Weibchen sollte 2-4 Wochen zuvor gut angefüttert werden und das Männchen sollte sein Spermanetz bereits gebaut haben. Ist dieses erfüllt, kann man das Männchen zum Weibchen ins Terrarium geben und erlebt dort i.d.R. eine friedliche Paarung beider Geschlechter. Nach der erfolgreichen Kopulation sollte man das Männchen aber aus dem Terrarium fangen, weil nicht selten das Weibchen dieses als Nachtisch verspeist!

In einigen Fällen bauten die Weibchen bereits nach 4 Wochen erfolgreich einen Kokon. Allerdings sollte man mit einer Zeitspanne von 4 bis 10 Monaten rechnen - nicht jedes Weibchen baut so eilig einen Kokon! Die Aufzucht von Brachypelma vagans bereitet i.d.R keine Probleme. Aus einem Kokon können allerdings bis zu 500 Nachzuchten schlüpfen, was man zuvor bedenken sollte.


Receptaculum seminis von Brachypelma vagans

Literaturverweise:

Brachypelma vagans (Ausserer, 1875)
– Mexico, Central America; introduced into Florida, USA

Ausserer, A. 1875.

Zweiter Beitrag zur Kenntniss der Arachniden-Familie der Territelariae Thorell (Mygalidae Autor).
Verh. zool.-bot. Ges. Wien 25: 125-206 [p. 197, pl. 7, f. 41].

Bradley, G. 1988.
Mating Brachypelma vagans.
Journal of the British Tarantula Society 4(1): 17.

Bubbins, A.K. 1992.
Captive breeding of Euathlus vagans.
Journal of the British Tarantula Society 7(4): 13-14.

Cawsey, P. 1998.
A few personal observations on Brachypelma vagans and Brachypelma angustum spiderlings.
Journal of the British Tarantula Society 13(3): 94-95.

COT, D. 1991.
Fiches d'élevage d'Euathlus albopilosa, E. vagans et Avicularia avicularia.
Arachnides 9.

DOR, A., MACHKOUR-MÔRABET, S., LEGAL, L., WILLIAMS, T. & Y. HÉNAUT. 2008.
Chemically mediated burrow recognition in the Mexican tarantula Brachypelma vagans female.
Naturwissenschaften 95: 1189-1193.
Download Article

Edwards, G.B. & K.L. Hibbard. 1999.
The Mexican Redrump, Brachypelma vagans (Araneae: Theraphosidae), an Exotic Tarantula Established in Florida.
Entomology Circular No. 394: 1-2.
Download Article

Reichling, S.B. 2000.
Group dispersal in juvenile Brachypelma vagans (Araneae, Theraphosidae).
Journal of Arachnology 28(2): 248-250.
Download Article

POTTGENS, C. 1992.
Observations sur le développement d'EUATHLUS vagans (Ausserer 1875) (Theraphosidae, Grammostolinae).
Arachnides 13.

www.vogelspinnen-hameln.de Maculata.de